EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE HÄHNLEIN

Betrachtung

Wer nicht will, der hat schon?!

„Wer nicht will, der hat schon." - pflegen wir mitunter zu sagen, wenn jemand ein attraktives Angebot, das wir ihm gerne anbieten möchten, einfach ausschlägt. Und es mag ja wirklich gute Gründe dafür geben, auf Angebote zu verzichten: Wenn ich z. B. einfach satt bin und die leckeren Köstlichkeiten, die mir erneut von meinem Gastgeber präsentiert werden, nicht mehr schaffe. Oder wenn meine Wohnung die angebotenen Gegenstände, so schön sie auch sein mögen, wegen Überfüllung nicht mehr aufnehmen kann. Oder wenn die Einladung zu einem schönen Fest einfach nicht mehr in meinen engen Terminplan passt.

Freilich ist es immer meine Entscheidung, auf was ich verzichten bzw. welches Angebot ich annehmen möchte. Ich hätte mir ja auch noch ein
wenig Appetit aufheben können bis zum leckeren Nachtisch. Ich könnte ja auch meine Wohnung ein wenig ausmisten, damit der schöne geschenkte Gegenstand darin auch noch einen Platz findet. Und um mir die Teilnahme an dem herrlichen Fest zu ermöglichen, könnte ich einen anderen Termin verschieben oder ganz darauf verzichten. Ich allein treffe immer die Entscheidung!

Jesus wurde einmal gefragt: „Herr, meinst du, dass nur Wenige selig werden?" Seine Antwort ist ungewöhnlich hart: „Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht, denn viele werden danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht können. Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat, und ihr anfangt, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns auf! - dann wird er antworten: Ich kenne euch nicht, wo seid ihr her?"

Vielleicht wird manch einer jetzt erst mal ein wenig stutzig: Wenn es doch so viele versuchen, selig zu werden, warum gelingt das dann
letztendlich nur wenigen? Trifft am Ende doch Gott allein die Auswahl, wer selig wird und wer nicht? Dann kann ich doch vermutlich gar nichts dafür, wenn er mich nicht hineinlassen will in sein Haus. Doch schon im nächsten Kapitel des Lukasevangeliums macht Jesus in seinem Gleichnis vom großen Festmahl deutlich, dass sich dies tatsächlich ganz anders verhält. Denn all jene, die es später dann doch noch vergeblich versuchen, irgendwie in Gottes Haus hineinzukommen, hatten zuvor schon eine ganz reale und umfassende Chance, die Einladung Gottes anzunehmen. Sie haben ihre Chance einfach nicht zur rechten Zeit genutzt. Jesus sagt hier mit ganz klaren Worten: Bei Gott gibt es irgendwann auch ein zu spät. Ich bin davon überzeugt, dass Gott jeden von uns für immer bei sich haben möchte und darum seine geliebten Menschen immer wieder auf
unterschiedlichsten Wegen zu sich, zu seinem himmlischen Festmahl einlädt. Aber die meisten Menschen scheinen darauf noch nicht einmal zu reagieren. Im Gleichnis Jesu vom großen Festmahl entschuldigen sich die Gäste ja wenigstens, was ihnen aber auch nicht wirklich weiterhilft. Denn sie kommen ja schlicht und einfach gar nicht zu dem Fest, obwohl sie zuvor alle zugesagt hatten. Allen ursprünglich Geladenen sind zahlreiche, nicht unwichtige, aber gemessen am ewigen Leben in Gottes Reich doch ganz banale Dinge in ihrem Lebensalltag wichtiger als eben die ewige Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott.

Und Gott respektiert auch jede persönliche Entscheidung gegen seine Einladung. Nur dann darf sich freilich niemand wundern, wenn irgendwann die Tür in Gottes Reich verschlossen sein wird und ein Anderer den Platz des ursprünglich Eingeladenen einnehmen wird. Dann werden tatsächlich Letzte Erste und Erste die Letzten sein.

Wer nicht will, der hat schon? Nein, der hat eben nicht! Denn es gibt keinen alternativen Weg in Gottes Reich als diesen einen, den Jesus dir heute anbietet. Auch sein Wort von der engen Pforte finden wir an einer anderen Stelle noch einmal etwas umfassender ausgeführt: Mt. 7,13f.: „Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte, und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden." Aber genau darauf kommt es Jesus an: Er tut jedenfalls alles dafür, dass du den schmalen Weg und mit ihm das ewige Leben in Gottes Herrlichkeit finden kannst. Aber gehen musst du ihn schon selbst in seinen Fußstapfen und in seiner Nachfolge. Du kannst dich auf seine Führung dein ganzes Leben lang verlassen. Aber dazu braucht es vor allem deine persönliche Entscheidung, ihm wirklich folgen, mit ihm in deinem Alltag ganz praktisch leben und ihn von ganzem Herzen lieben zu wollen. Dazu schenke dir Jesus den rechten Mut und eine ganz tiefe Herzensfreude! Denn wer ihn will, der hat ihn auch - und das für immer!

Ihr Pfr. Michael Klesy

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Letzte Änderung: 29.10.2017