EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE HÄHNLEIN

Betrachtung

Wohnst du noch oder lebst du schon?

Wer kennt nicht diesen Werbeslogan eines freundlichen skandinavischen Möbelhauses? Und irgendwie trifft es ja auch das, was für uns wirklich relevant ist: Ja, ich will leben, echt leben, mit Freude leben. Nicht einfach nur irgend eine Wohnadresse haben.

Nun, ob ich dies allein durch die Gestaltung meiner Einrichtung regeln kann, darf ich mit guten Gründen infrage stellen. Obwohl:

Schöne neue Möbel und Vorhänge geschmackvoll arrangiert, beinhalten schon eine Menge Wohlfühl-Potenzial. Zumindest für eine gewisse Zeit. Irgendwann bedarf auch dies wieder einer Erneuerung.

Aber Leben, Leben, das diesen Namen wirklich verdient - dazu gehört doch viel mehr! Dazu gehört vor allem die Abwesenheit von Leiden, Schmerzen, Angst und Sterben. Ist so etwas in unserer Welt überhaupt vorstellbar? - Nein. Alle menschlichen Erfahrungen aller Zeiten sprechen dagegen. Viele von uns haben in diesem hinter uns liegenden Jahr wieder Abschied von geliebten Menschen nehmen müssen. Auch ich gehöre dazu. Am Ewigkeitssonntag dürfen wir uns im Gottesdienst wieder daran erinnern lassen. Aber uns dann auch zusprechen lassen, dass unser Abschied von dieser Welt nicht der letzte Akt unseres Daseins ist, sondern ein ganz entscheidendes Nachspiel hat. Darum heißt dieser Sonntag ja auch Ewigkeitssonntag.

Von Gott wird uns an vielen Stellen der Bibel gesagt, dass er von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt und regiert. Also ohne Anfang und ohne Ende. Gott ist und bleibt immer der Gleiche. Er lebt und wird immer leben, auch wenn irgendwann niemand mehr auf dieser Welt noch etwas von uns weiß. Bei ihm sind wir nie vergessen.

Im Alten Testament darf der Prophet Hesekiel um ca. 550 v. Chr. ein ganz kühnes Wort über diesen ewigen Gott verkündigen. In Kap. 37,27, in unserem Monatsspruch für den November, schreibt er: „Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein."

Gott will also mitten in unserer Welt, mitten unter seinen Menschen leben und sie führen und leiten.

Wenn das wirklich stimmen würde, müsste es in unserer Welt dann nicht ganz anders aussehen? Dann gäbe es doch keinen Krieg und keinen Terror, kein Leiden und Sterben.

Aber dieses Wort hat zwei Dimensionen. Zum einen eine gegenwärtige: Was Gott durch Hesekiel verkündigen ließ, ist lebbare Wirklichkeit geworden im Kommen von Jesus Christus vor 2000 Jahren in unsere Welt. Da hat Gott als wahrer Mensch, als einer von uns, alle Facetten menschlichen Lebens durchlebt und durchlitten. Da war er sich nicht zu schade, sich für uns verspotten, schlagen und töten zu lassen, damit jeder von uns die Chance auf ein Leben in der Ewigkeit Gottes haben kann. Aber Gott zwingt keinen von uns zu seinem Glück. Er möchte keine Marionetten, die einfach nur nachplappern und nachmachen, was ihnen gesagt wird. Sondern er möchte jeden von uns mit unserem ganzen Wollen und Wünschen, mit der vollen Zustimmung unseres Herzens. Er möchte, dass wir den lebendigen, von den Toten auferstandenen Jesus Christus von ganzem Herzen lieben, ihn in unser Leben aufnehmen, dadurch Kinder Gottes werden und in seiner Nachfolge auch von ihm unseren Alltag gestalten lassen. Dazu lädt er dich ein, solange du lebst. Im Johannesevangelium, Kap. 1,12 wird uns gezeigt: „So viele ihn (Jesus) aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden." Dies ist allein die Grundvoraussetzung für ein ewiges Leben in Gottes Welt. Keine noch so edlen und humanitären Taten ermöglichen uns ein ewiges Leben, sondern allein unsere Kindschaft Gottes in der bewussten Nachfolge von Jesus Christus.

Jesus hat es einmal selbst gesagt, ebenfalls im Johannesevangelium, Kap. 14,6: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum himmlischen Vater als nur durch mich." Wenn er der Herr deines Lebens geworden ist, dann willst du auch tun und lassen, was er haben möchte - ganz freiwillig und mit großer Freude.

Aber dann gibt es noch die zweite Dimension dieses Hesekiel-Wortes:

Die zukünftige. Denn Jesus hat ja auch versprochen, wiederzukommen in diese Welt zum Gericht, aber dann auch als Herr aller Herren mitten hinein in seine grunderneuerte Welt, die er selbst gestalten wird für alle Gotteskinder. Wir erfahren davon in der Johannesoffenbarung, Kap. 21. Hier wird Jesus für alle seine Nachfolgerinnen und Nachfolger grenzenlos sichtbar präsent sein. In seiner ewigen Welt, in der es dann tatsächlich keine Schmerzen, kein Leid, kein Geschrei und keinen Tod mehr geben wird.

Doch jetzt stellt sich für dich noch die lebenswichtige Frage: Lebst du schon als Kind Gottes in der Nachfolge von Jesus Christus? Jesus sagt es in der Johannesoffenbarung, Kap. 3,20 so: „Siehe, ich stehe vor der Tür (deines Lebens) und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir."

Lassen Sie ihn das doch für sich tun und das helle und warme Licht der Ewigkeit Gottes in Ihr Leben hineinstrahlen!

Gott segne Sie!

Ihr

Pfr. Michael Klesy

© 2018 Evangelische Kirchengemeinde Hähnlein
Letzte Änderung: 29.11.2017