EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE HÄHNLEIN

Betrachtung

Pfarrerin FrickeLiebe Leserinnen und Leser,
liebe Hähnleiner,

„So ist Sonntag" - Unter diesem Titel kam in den letzten Tagen die neueste Impulspost unserer Landeskirche in alle evangelischen Haushalte geflattert. Vielleicht hatten auch Sie Gelegenheit, sich das Faltblatt zu Gemüte zu führen. (Falls nicht: Im Vorraum unserer Kirche liegen mehrere Exemplare zum Mitnehmen aus.)

Wie der Name „Impulspost" schon sagt, will die Kirche mit diesem Schreiben einen Impuls zum Nachdenken geben: „So ist Sonntag" - Wie ist Sonntag? Wie ist er für mich? Unterscheidet sich in meinem Leben der Sonntag von den anderen sechs Tagen der Woche? Und wenn ja: Was macht den Unterschied aus? Das kann für jeden etwas anderes sein: Dass ich ausschlafen kann, nicht arbeiten muss. Dass Büros und Geschäfte geschlossen bleiben, die Straßen stiller sind. Dass nachmittags das gute Geschirr aufgedeckt wird, man sich im Sportverein trifft, Verwandte besucht. Ja, und nicht zuletzt macht für viele Menschen der Gottesdienst den besonderen Charakter dieses Tages aus: mit anderen in Gemeinschaft zu singen, zu beten, Worte der Bibel zu hören, die durch eine neue Woche begleiten.

In jedem Fall ist es wichtig, dass es diesen Tag gibt. Er schenkt uns Menschen Zeit. Zeit, über die kein Arbeitgeber, keine Schule und keine Behörde bestimmen kann. Zeit, die uns ganz allein gehört. Unser Evangelisches Dekanat Bergstraße war an der Entwicklung der Impulspost „So ist Sonntag" beteiligt und setzt sich seit Jahren innerhalb der „Allianz für den freien Sonntag" dafür ein, dass dieses Stück Freiheit uns Menschen erhalten bleibt. Kirche ist mit ihrem Engagement an dieser Stelle nicht unumstritten. Viele meinen heute, die Kirchen sollten sich raus halten aus der Lebensführung der Leute. Schließlich könne jeder für sich entscheiden, ob er sonntags ruhen mag oder beispielsweise shoppen gehen. Und was ist schon dabei, wenn die arbeitsfreien Tage flexibel über die Woche verteilt werden? Doch wenn immer mehr Büros, Betriebe und Selbständige auch sonntags arbeiten, dann entscheiden sie damit nicht nur über ihre eigene Zeit, sondern auch über die ihrer Mitmenschen.

Denn das hohe Gut des Sonntags liegt ja vor allem darin, dass es ein gemeinschaftlicher Ruhetag ist, an dem nur das Nötigste an Versorgung und Dienstleistung weiterläuft. Der gemeinsame Ruhetag (es gibt ihn übrigens in nahezu jeder Kultur, in allen großen Religionen) ist eine große Errungenschaft der Menschen. Wir alle brauchen ihn, unabhängig davon, was und woran jeder persönlich glaubt

 

Tora mit Feiertagsgebot

 

Mir ist an diesem Text seine ausführliche Begründung wichtig. Das Ruhetagsgebot gilt nicht nur denen, die selbst über ihre Zeit bestimmen können. Nein, es schützt in erster Linie die Unfreien, Kleinen und Abhängigen. In biblischer Zeit und noch bei Luther mögen das Knechte und Mägde gewesen sein. Heute sind es vielleicht die Arbeitnehmer in großen Konzernen oder die Kassiererinnen im Supermarkt. Damals wie heute gilt: Sie alle haben ein Recht auf Teilhabe am Feiertag, auf diese vom Alltagskreislauf ausgesparte gemeinschaftliche Zeit zum Leben.

So ist das biblische Feiertagsgebot auch ein soziales Statement: Am Sonntag gibt es keine Herren und Knechte, keine Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Am Sonntag sind wir alle gleich. Sind einfach Mensch, Kinder Gottes. Ein Sprichwort sagt: „Der Kaminfeger trägt sonntags wohl auch ein Hemd so weiß wie Schnee". So ist Sonntag. Anders als Werktage. Ein Geschenk des Himmels.

Wir feiern dieses Geschenk jeden Sonntag im Gottesdienst, zu dem ich Sie alle herzlich einlade. Der Gottesdienst lässt den Sonntag zum Festtag werden. Ich freue mich, wenn wir uns sehen.

Ihre Pfarrerin

Julia Fricke

© 2018 Evangelische Kirchengemeinde Hähnlein
Letzte Änderung: 30.10.2018