EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE HÄHNLEIN

Betrachtung

Pfarrerin Fricke Liebe Leserin, lieber Leser,

Heute einen Krieg beenden.

Was geht Ihnen als erstes durch den Kopf, wenn Sie das lesen? Syrien, Afghanistan, Irak oder der Kampf gegen den weltweiten Hunger? Die Terroranschläge des IS, die Mafia in Italien oder die Menschen im Westjordanland, deren Alltag von den israelischen bewaffneten Besatzern auf Schritt und Tritt kontrolliert wird? All diese Konfliktherde haben eins gemeinsam: Die Lage scheint so hoffnungslos und der Weg zum Frieden so unendlich weit!

Und dann steht dem gegenüber dieses kleine, klare Wort: heute. Es steht da im Kontrast zu dem großen zentnerschweren Wort Krieg. „Heute einen Krieg beenden", das klingt wie: Heute Geige üben, Wäsche legen, Friseur anrufen...

Ach, wenn es so einfach wäre! Wenn man wie im Kindergarten zwei Streithähnen nur sagen müsste, „Schluss jetzt, reicht euch die Hand und vertragt euch wieder"! Lieber heute als morgen würden wir so manchem Krieg ein Ende setzen. Nicht nur in fernen Ländern, sondern genauso im eigenen Leben. Wenn es so einfach wäre!

Heute einen Krieg beenden.

Das diesjährige Motto des Buß- und Bettages soll daran erinnern, dass Scheitern zum Leben gehört und lädt zugleich ein, sich immer wieder neu auf das Leben zu besinnen. Jeder für sich kann fragen: Wie viele Kriege habe ich eigentlich schon geführt? Konnte ich schon mal einen beenden? Und wie ging das? Welche Auseinandersetzung belastet mich aktuell? Für manchen ist es ein ewiger Nachbarschaftsstreit oder der Rosenkrieg einer zerbrochenen Ehe, für andere der Kampf gegen die Krankheit im Körper oder darum, endlich von einem Unrecht rehabilitiert zu werden.

Heute einen Krieg beenden.

Das heißt für mich vor allem: Heute anfangen. Nicht alles tatenlos auf später verschieben, weil die Aufgabe so unlösbar groß erscheint. Heißt schauen: Welchen konkreten Schritt - wie klein er auch sei - kann ich jetzt gehen? Heißt, diesen Schritt auch tatsächlich tun. Wie leicht das gesagt und wie schwer getan ist, wissen wir alle. Wenn ich also diese Zeilen schreibe, so ermutige ich damit zuallererst mich selbst, z.B. doch endlich zum Telefonhörer zu greifen und die Frau anzurufen, die ich ungewollt verletzt habe.

Heute einen Krieg beenden.

Am Buß- und Bettag, zehn Tage vor dem 1. Advent, sind wir eingeladen, vor Gott über unser Leben nachzudenken, Besinnung und Vergebung zu suchen und gemeinsam mit vielen anderen evangelischen Christen im Land für den Frieden zu beten. Wir als Kirchengemeinden in der Region nördliche Bergstraße feiern einen Abendgottesdienst am Buß- und Bettag, Mi 21. 11. um 20 Uhr in Bickenbach, Ev. Kirche. Seien Sie dazu schon jetzt herzlich eingeladen! Ich freue mich, wenn viele Hähnleiner mit dabei sind.

Wenige Tage darauf kommen wir in unserer Hähnleiner Kirche zum Gottesdienst am Ewigkeitssonntag zusammen, um der Verstorbenen des zu Ende gehenden Kirchenjahres zu gedenken. Dann richtet sich unser Blick auf jenen Frieden, der von Gott kommt und durch den Gott einst allem Krieg und aller Gewalt ein Ende machen wird. Denn leiden wir jetzt noch unter der Vergänglichkeit, so leben wir doch im christlichen Glauben der Verheißung entgegen, die uns das Neue Testament auf seinen letzten Seiten schenkt:

 

Engelstatue

 

Gott wird abwischen
alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei
noch Schmerz wird mehr sein;
denn das Erste ist vergangen.
„Siehe, ich mache alles neu!"
(Offenbarung 21, 4 u. 5)

Herzlichst grüßt Sie Ihre Pfarrerin

Julia Fricke

© 2018 Evangelische Kirchengemeinde Hähnlein
Letzte Änderung: 04.12.2018