EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE HÄHNLEIN

Betrachtung

Alles neu oder kann das weg?

Haben Sie gerade einen Umzug hinter sich oder planen Sie einen solchen? - Sollte dies zutreffen, wünsche Ihnen dazu jedenfalls alles Gute und vor allem einen guten Start in Ihrem neuen Domizil. Meine Oma aber pflegte zu sagen: „Zwei mal umgezogen ist einmal abgebrannt." Damit meinte sie: Irgendwas bleibt dabei immer auf der Strecke, Einiges muss weggegeben oder weggeworfen werden, weil es nicht mehr in die neue Wohnung passt. Anderes geht auch beim Ein- oder auspacken oder beim Transport einfach in die Brüche. Wer schon einmal mit einem großen Haushalt umgezogen ist, der ahnt, wovon ich rede. Ich bin schon 9 mal umgezogen in meinem Leben. Und habe gerade einen neuen großen Umzug vor mir. Mal sehen, was von den vielen Sachen, die ich mein eigen nenne, auf der Strecke bleiben muss, also nicht mehr mit umziehen wird. Das Reduzieren von einigem Hausrat wird wohl unvermeidlich sein. Und so werde ich mich auch mit einem weinenden Auge von Büchern, Möbeln und zahllosem Kleinkram trennen müssen. Aber ich darf mich ja jetzt auch schon auf mein neues Domizil freuen. Dann werden all die Mühen und Strapazen des Umzuges keine Rolle mehr spielen. Diese Spannung und Vorfreude auf den neuen Lebensort macht alle vorherigen Mühen um ein Vielfaches wett. -

Im Jesajabuch, Kap. 43,19a verheißt uns Gott: „Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?"

Was Jesaja hier sagt, steht im krassen Gegensatz zu dem, was für seine Hörer, den Israeliten, die damalige Realität war: Das Volk musste bereits seit über 50 Jahren in der Fremde, in Babylonien leben, 1000 km weit weg von der Heimat, ohne eine augenscheinliche Perspektive zur Rückkehr. Der erzwungene neue Lebensort Babylon war längst für die Israeliten zur Alltagswirklichkeit geworden. Die meisten hatten sich schlicht und einfach mit ihrem Schicksal arrangiert.

Und nun platzt der Prophet Jesaja mit seinem Wort da hinein. Er spricht von der Rückkehr in die alte Heimat, nach Jerusalem. Das muss für die Israeliten genauso geklungen haben wie für einen Beduinen, dem man etwa die Mitteilung machen würde: Du, in Kürze wird aus deiner endlosen trockenen Sandwüste ein erfrischender, saftiger Laubwald. - Und in der Tat führt Jesaja sein Wort folgendermaßen
weiter:

„Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde."

Na, für mich ist die Verheißung meiner neuen Heimat freilich nicht ganz so dramatisch. Aber dennoch: Mit diesem Umzug wird noch mal ein neues Kapitel in meinem Leben aufgeschlagen. Nun gibt es ja zwei Möglichkeiten, mit einer solchen neuen Wirklichkeit umzugehen: 1. Ich nehme die Sache selbst in die Hand und richte mich meinen Wünschen und Vorstellungen entsprechend ein. Oder 2. Ich lasse mich darauf ein, dass ein anderer, dass Gott meinen neuen Weg und jetzt auch mein neues Wirkungsfeld hier in Hähnlein einrichtet, vorbereitet und begleitet. Dazu braucht es vor allem Vertrauen. Vertrauen in das, was Gott verheißen und zugesagt hat, auch ohne, dass ich heute schon weiß, wie es genau werden wird. Zu diesem Gottvertrauen gehört auch, dass ich mein Leben neu von ihm ordnen und korrigieren lasse, dass ich auf sein Wort hin auch überflüssigen Lebensballast über Bord werfe und ihm einfach die Regie über mein Leben überlasse. Und dann erst kommt das „Erkennen", von dem Jesaja in seinem Wort spricht. Wo ich anfange, mich selbst loszulassen mit meinen Wünschen und Erwartungen, wo ich beginne, fest darauf zu vertrauen, dass Gott am besten weiß, was gut für mich ist und dass er mit seinem Plan für mein Leben an sein Ziel kommen wird, da schenkt er
mir auch den neuen Blick, der mich in die Lage versetzt, nach vorne zu schauen.

Auch wenn mir der direkte Blick in die Zukunft verwehrt ist, wird mir Gott sozusagen am Wegesrand immer wieder Hinweise geben, die mir die Gewissheit schenken, dass ich noch auf dem richtigen Weg bin. Da spricht er durch Menschen und Ereignisse, da spricht er durch sein gutes Wort ganz konkret in mein Leben hinein. Und so zeichnet er mir sozusagen „sein Bild" von meinem Leben in mein Herz. Ich spreche dabei ganz konkret aus über 40-jähriger persönlicher Erfahrung in derNachfolge dieses wunderbaren Gottes. Er hat mich wirklich noch nie im Stich gelassen, wo ich ganz auf sein Wirken vertraut habe. Manchmal brauchen wir ein wenig Geduld und vor allem Sensibilität im Hören und Wahrnehmen. Aber Gott greift wunderbar ein - garantiert! Fragen Sie mich nächstens bitte sehr gerne nach konkreten Beispielen! Ich freue mich darauf, Ihnen bald noch ganz viel von der Liebe Gottes weitererzählen zu dürfen!

Ich wünsche Ihnen zu allen neuen Aufbrüchen in Ihrem Leben, und wenn es jetzt in den nächsten Tagen vielleicht erst mal der Aufbruch in den Urlaub sein wird, dass Sie Gott das in Ihrem Leben wirklich tun lassen und er mit seinem Wort und Willen bei Ihnen zum Ziel kommt. Aber Vorsicht: Er tut wirklich große Wunder - wenn Sie es zulassen, - auch in Ihrem Leben!

„Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?"

Ich wünsche Ihnen eine erholsame und „wunderbare" Urlaubszeit und freue mich auf viele interessante Begegnungen mit Ihnen

Ihr Pfarrer Michael Klesy
 

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Letzte Änderung: 02.09.2017