EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE HÄHNLEIN

Betrachtung

Liebe Leserin, lieber Leser!

Angst belebt das Geschäft. Für Journalisten ist eine schlechte Nachricht sehr oft eine gute Nachricht. Mit ihr kann man die Auflage einer Zeitung oder Illustrierten bzw. die Einschaltquoten bei Fernsehsendern erhöhen. Aber das alles funktioniert nur bis zu einem gewissen Punkt, nämlich solange man selber nicht betroffen ist. Fremdes Leid mag wohl hier und da wirklich vielen Menschen zu Herzen gehen, aber sobald es neue Sensationsmeldungen gibt, ist alles Andere Schnee von gestern.

Nur die eigenen Erfahrungen von Leid, Angst und Schmerz - die bleiben. Die lassen sich nicht so einfach wegschieben wie eine Nachrichtenmeldung aus dem Fernsehen. Oder Geschehnisse, die so nah an der eigenen Lebenswirklichkeit sind, dass sie uns selbst jederzeit genauso betreffen könnten. Ja, es gibt die ganz realen Bedrohungen in unserem tatsächlichen Lebensumfeld: Die Schweinegrippe etwa, die Angst vor Terroranschlägen oder die zunehmende Gewalt unter Jugendlichen. Wer von uns würde nicht sofort an das furchtbare Schicksal von Dominik Brunner erinnert, wenn er an einer S-Bahn-Station eine Rauferei unter Jugendlichen beobachtet. Schreckensmeldungen aus der Wirtschaft, aus dem Finanzministerium, aus der Kranken- Pflege- und Rentenkasse, sowie die Situation auf dem Arbeitsmarkt und am eigenen Arbeitsplatz tun das Übrige, um uns in einer angstvollen Spannung festzuhalten.

Beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern hatte Jesus auch so einige Schreckensmeldungen auf Lager: Er spricht von seinem eigenen Sterben und dann auch von dem Verhalten seiner Jünger, die ihn noch in derselben Nacht verraten, verleugnen und verlassen werden. Was wird ihnen dann noch bleiben? Wo und wie werden sie ohne Jesus leben können? Das waren auch für diese 12 Männer, die drei Jahre zuvor alles verlassen hatten, um Jesus nachzufolgen, existenzielle Nöte. Mit einem Mal standen sie da ohne eine greifbare Zukunftsperspektive. Wofür sie gelebt und mitunter auch gelitten hatten, war schlagartig zu Ende. Wenn Jesus nicht mehr unter ihnen sein würde, dann wäre alles für die Katz‘ gewesen, was ihnen einmal wertvoll und kostbar erschien.

Jesus aber belässt es nicht bei seinen Schreckensmeldungen. Er belässt es nicht dabei, dass mit seinem Sterben nun alles zu Ende sein soll und er lässt es auch nicht zu, dass seine Jünger in eine tiefe Existenzkrise fallen. Er sagt ihnen (Johannesevangelium, Kap. 14,1): „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!" Also lasst euch nicht erschrecken von dem, was vor euren Augen geschieht. Denn das ist es nicht wert. Das ist al-les nur etwas, das vorüber geht, es wird euch eine kurze Zeit erschrecken, aber dann werdet ihr euch wieder freuen können, denn nach meinem Tod kommt meine Auferstehung von den Toten. Und ihr, meine lieben Jünger, habt nun nicht die Aufgabe, das alles zu verstehen und mit eurem Intellekt zu durchdringen; eure Aufgabe ist es auch nicht, jetzt stark und tapfer zu sein wie Helden; sondern eure Aufgabe ist es, zu werden wie die Kinder: Ein ganz großes Vertrauen zu haben zu eurem Papa im Himmel. Schaut, wie ich dieses Vertrauen gelebt habe! Nehmt euch ein Vorbild an mir und seht auf das, was mein Vertrauen zum himmlischen Vater bewirkt hat: Kranke wurden gesund, sogar Tote sind auferstanden und verletzte Seelen durften heil werden. Darum braucht ihr jetzt nicht zu erschrecken. Denn ihr habt die gleiche Möglichkeit wie ich: Ihr dürft meinem und eurem himmlischen Vater euer Herz und euer ganzes Leben anvertrauen. Und ihr dürft mir vertrauen, denn was ihr bei und mit mir erlebt habt, das war ja keine Illusion, sondern das war handfeste Wirklichkeit. Und genauso wirklich werde ich auch wiederkommen und bei euch sein bis an das Ende aller Zeit.

Welche Schreckensmeldungen ängsten dich? Welche Sorgen lähmen dich? Wo macht dich deine Lebenswirklichkeit kleinmütig und verzagt? - Lass es dir durch Jesus sagen: Dein Herz muss nicht erschrecken, weil Jesus dein ganzes Leben und all deine Sorgen auf seinem Herzen trägt. Der weiß, wie es dir jetzt geht und der weiß auch, was du jetzt brauchst. Du darfst ihm darin fest vertrauen, dass er dir auch schenken wird, was deinem Leben gut tut und was dein Herz fest und gewiss werden lässt. Aber du musst dich wirklich ganz auf ihn verlassen. Nur dann bist du niemals verlassen. Dann darfst du tatsächlich alles für möglich halten. Denn der, der dein Leben hält, trägt und zum Ziel bringt, ist der Schöpfer und Herr der Welt. Vor ihm müssen sich am Ende alle Mächte dieser alten Welt beugen, sogar der Tod.

Ich wünsche Ihnen eine frohe und gesegnete Osterzeit, in der Sie ins Staunen kommen über den Herrn der Welt, der auch der Herr Ihres
Lebens sein will; der durch sein Sterben am Kreuz und durch seine Auferstehung von den Toten die Hölle und den Tod für immer besiegt hat, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden. Seine Liebe und Wundermacht umgebe Ihr ganzes Leben und schenke Ihnen einen tiefen Frieden ins Herz an allen Tagen ihres Lebens.

Ihr Pfarrer Michael Klesy

© 2018 Evangelische Kirchengemeinde Hähnlein
Letzte Änderung: 28.03.2018