EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE HÄHNLEIN

Betrachtung

Grüß Gott, Liebe Leserin, lieber Leser!

Ist solch ein Gruß für Sie ungewohnt? Erwarten Sie den eher in einer katholisch geprägten Alpenregion? - Mir gefällt dieser Gruß, wenn er auch in unseren Breiten eher weniger anzutreffen ist, weil er etwas weitergeben möchte, was für jeden von uns unentbehrlich ist: Den Segen Gottes. Grüß dich Gott! Gott sei an deiner Seite! Einen solchen Gruß möchte ich mir gerne zusprechen lassen, denn er wünscht mir, dass Gott es gut meinen möchte mit meinem Leben.

Wenn ich mit jungen Eltern ein Taufgespräch führe, frage ich sie regelmäßig nach dem Grund der Taufentscheidung für ihr Kind. Und oft wird mir dann gesagt: Wir möchten, dass unser Kind Gottes Segen erhält. Freilich ist der Segen Gottes nicht das Thema der Taufe, was ich den Eltern dann auch deutlich zu machen versuche. Aber dieses häufige Anliegen der Eltern macht doch deutlich, dass offenbar ganz viele Menschen vom Segen Gottes Wesentliches erwarten für sich selbst und für ihre Kinder.

Und am 13. Mai möchten 13 Konfirmandinnen und Konfirmanden eingesegnet werden, wenn sie sich konfirmieren lassen. Das deutsche Wort „segnen" kommt von dem lateinischen Wort „signare", was folgende Bedeutungen haben kann: „Mit einem Zeichen versehen", „versiegeln", „prägen", „kenntlich machen". Gemeint ist hier das Zeichen des Kreuzes. Wenn ich nach der Taufe den Täufling noch segne, mache ich auf seiner Stirn das Zeichen des Kreuzes. Was soviel heißt wie: „Für dich ist Christus am Kreuz gestorben. Du darfst ein fröhliches Kind Gottes sein, wenn du das von Herzen möchtest. Wenn du dein Leben wirklich Jesus anvertraust, gehörst du ihm auch für immer. Dann wirst du auch im Himmel bei ihm sein." Das ist eine herrliche Perspektive für den, der das persönlich annehmen möchte.

Die Bibel sagt: In seinem Segen wird Gott selbst aktiv. Aaron, dem Bruder des Mose und seinen Nachkommen befiehlt Gott: „Ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne!" Wer also Gottes Segen erhält, dem wird der Name Gottes auf sein Leben gelegt, der wird dem lebendigen Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, dem Vater von Jesus Christus und dem Herrn aller Herren anbefohlen. Und Gott segnet, d. h. er umgibt Menschen, die ihn darum bitten, mit seinem Schutz, mit seiner Kraft und mit seiner Liebe. Gibt es etwas Größeres und Besseres als das?

Freilich kann niemand den Segen Gottes für etwas erhalten, das gegen dessen erklärten Willen steht. Niemand kann Dinge oder Lebensentscheidungen „absegnen" lassen, die Gott nicht haben möchte. Meine Bitte um Segen kann niemals verengt werden auf ein fest umrissenes Anliegen nach dem Motto: Was ich jetzt haben oder tun will, sollst du, Gott, mit deinem Segen bestätigen. Aber allezeit dürfen wir für uns selber und für unsere Kinder den Segen Gottes erbitten und damit unser Leben unter seine Liebe und Kraft stellen. Wenn wir seinen Segen erbitten, dann sagen wir ihm: Mach du es so mit meinem Leben, wie es dir gefällt und wie es gut für mich bzw. für mein Kind ist! In diesem Sinne dürfen wir wirklich alles, was wir tun oder lassen, tatsächlich unter den Segen Gottes stellen, sofern es nicht ausdrücklich gegen seinen erklärten Willen und Gebot steht. Wir drücken damit aus: Gott möchte auf dem Weg, den ich zu gehen beabsichtige, an meiner Seite bleiben und mich mit seiner Liebe umgeben. Das beinhaltet aber durchaus, dass Gott mir auch sein entschiedenes „Nein" zu meiner Entscheidung deutlich machen kann. Und auch das kann mir, wenn ich es gelten lasse, zum Segen werden, weil es mich vor schlimmen Fehlentscheidungen bewahrt.

Die Zeit der vielen Feiertage, langen Wochenenden und am Horizont auch schon die Urlaubszeit stehen wieder vor der Tür. Und ich möchte Ihnen für alles, was Sie in den nächsten Wochen und Monaten an Herausforderungen und Ereignissen erwartet, eben diesen Segen Gottes zusprechen, der Sie mit seiner Liebe und Kraft begleiten, aber auch korrigieren möchte, damit Sie für sich und Ihre Familie, aber auch für andere Menschen ein Segen sein bzw. werden können:

„Der Herr, der am Anfang aller deiner Wege steht, von dem du dich entfernen kannst, der dich aber niemals aufgeben wird, segne dich und behüte dich; damit alle deine Wege und Irrwege am Ende doch bei ihm ankommen; der Herr, der zugesagt hat, dass er alles neu machen wird, auch das, was unter deinen Händen zerbrochen ist, lasse sein Angesicht leuchten über dir, wenn es dunkel um dich ist, wenn du nicht mehr weiter weißt, wenn du Schuld auf dich geladen hast, er sei dir gnädig; der Herr, der zugesagt hat, in deinem Herzen zu wohnen, damit du sein Kind bist und er dein Gott, sofern du ihn in dein Leben aufgenommen hast, hebe sein Angesicht über dich, damit du in allen Veränderungen der Zeit nicht mitgerissen wirst wie welkes Herbstlaub vom Sturm, damit du bewahrt wirst und dein Leben für immer Bestand hat bei ihm, er gebe dir Frieden.

Ihr Pfr. Michael Klesy

© 2018 Evangelische Kirchengemeinde Hähnlein
Letzte Änderung: 20.09.2018