EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE HÄHNLEIN

Eine einst reich ausgestattete Wallfahrtskapelle und ihr bescheidener Namensgeber

Der Vorgängerbau der Hähnleiner Kirche, die alte Laurentiuskapelle, war den Beschreibungen unserer Kirchenbücher nach ein an Kunstwerken reich ausgestatteter Kirchenbau, wahrscheinlich wurden die Gegenstände von Christenmenschen aus der Umgebung gestiftet. Heute zeugen davon noch die drei Schnitzwerke, das Altarkreuz, die kleine Glaslotmalerei in der Sakristei. Es gab einst mehr, wie zB einen gotischen Flügelaltar, weitere Glasbilder und Schnitzwerke - sie sind bislang ungeklärt verschwunden.

Der Namensgeber der Kapelle, Laurentius, hatte der Überlieferung nach ein anderes Verhältnis zum Kirchenschmuck, wie ein Blick auf seine Lebensgeschichte verdeutlicht:

Der Überlieferung zufolge war Laurentius als Erzdiakon von Rom für die Verwaltung des örtlichen Kirchenvermögens und seine Verwendung zu sozialen Zwecken zuständig. Nachdem der römische Kaiser Valerian Papst Sixtus II. hatte enthaupten lassen, wurde Laurentius ausgepeitscht und aufgefordert, den Kirchenschatz innerhalb von drei Tagen herauszugeben. Daraufhin verteilte Laurentius diesen an die Mitglieder der Gemeinde, versammelte eine Schar von Armen und Kranken, Verkrüppelten, Blinden, Leprösen, Witwen und Waisen und präsentierte sie als „den wahren Schatz der Kirche" dem Kaiser. Der Hauptmann, vor dem Laurentius erschienen war, ließ ihn deswegen mehrfach foltern und dann durch einen eisernen Rost hinrichten. Aus diesem Grund wird der Märtyrer mit dem Rost als Attribut dargestellt. Der Überlieferung nach waren seine an den Kaiser gerichteten letzten Worte:
„Du armer Mensch, mir ist dieses Feuer eine Kühle, dir aber bringt es ewige Pein."

Die Verehrung dieses Glaubenszeugen in Deutschland verbreitete sich nach dem Sieg Kaiser Ottos I. gegen die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg am 10. August 955, die am Laurentiustag des Jahres 955 stattfand.

Da Laurentius als Schutzpatron der Hirten und Herden betrachtet wird, findet auf dem Feldberg im Schwarzwald am 10. August jedes Jahres das Laurentiusfest mit Gottesdienst und Viehversteigerung statt. Wenn der 10. August eines Jahres auf einen Sonntag fällt, wird das Laurentiusfest schon am Samstag gefeiert.

Der Laurentiustag ist Ursprung der Cranger Kirmes in Herne, eines der größten Volksfeste in Deutschland.

Wappen des hl. LaurentiusDer hl. Laurentius ist Stadtpatron von Wuppertal und Duderstadt.

Die Köche, deren Schutzpatron der Heilige ist, pflegen einen eigenen Zunftorden, die Laurentiusbuderschaft, und nennen sich Laurentiusritter. Jedes Jahr um den 10. August treffen sich an die tausend Köche.

1746 wurde im pfälzischen Dirmstein die Barockkirche St. Laurentius geweiht. Es ist dies die einzige Zweikirche Deutschlands, bei der die Trennwand zwischen Katholiken und Protestanten schon vom Bauplan her vorgesehen war, so dass die Kirche von außen als homogene Einheit erscheint und zugleich jeder der beiden Teile innen wie ein vollgültiges Gotteshaus wirkt.

Laurentiustränen

Weil alljährlich um den Gedenktag des Heiligen, den 10. August, der Sternschnuppenschwarm der Perseiden auftritt, wird diese Himmelserscheinung im Volksmund Laurentiustränen genannt.

Der Sankt-Lorenz-Strom, die Sankt-Lorenz-Insel, der Sankt-Lorenz-Golf und der Ort Lawrentija wurde nach dem hl. Laurentius benannt.

Rebsorte St. Laurent: Wohl in Anspielung auf das Blut des Märtyrers erhielt eine rote Rebsortenzüchtung, deren Beeren um den 10. August reifen, den Namen St. Laurent.

Bauernregeln

Zum Laurentiustag gelten folgende Bauernregeln:

„St. Lorenz füllt mit heißem Hauch dem Winzer Fass und Schlauch."

„Laurentius heiter und gut einen schönen Herbst verheißen tut."

hs

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Letzte Änderung: 10.08.2014